Repertoire

DAYS IN THE SUN

MUDAR ALHAGGI

In DAYS IN THE SUN von Mudar Alhaggi begegnet uns eine junge Frau, die sich der syrischen Revolution angeschlossen hat. Ihre persönliche Emanzipation von familiären und gesellschaftlichen Zwängen verläuft zeitgleich zum politischen Befreiungsversuch eines ganzen Landes. Kann Farah trotz aller Umstände ihren Glauben an die Hoffnung, an die Freiheit und an eine bessere Zukunft erhalten?

In arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

 

Stimmen

trailer - KULTUR.KINO.RUHR, Benjamin Trilling, 8. Oktober 2018

Applaus tröpfelt nach dieser Ohrfeige aus den Publikumsreihen. Farah weilt bei ihrem Freund Ahmad, nachdem sie über die Grenze nach Jordanien geflohen ist. Doch sie will wieder zurück zu ihrem Vater nach Damaskus. Das Paar streitet sich, beide machen sich gegenseitig Vorwürfe. Bis Ahmad zur Ohrfeige ausholt. Farah schlägt zurück. Einmal. Noch mal. Beifall folgt spontan aus dem Publikum für diese Szene aus der Revolution, die an diesem Premierenabend auch zu einer feministischen Revolte auf der Bühne gerät.

Denn den Alltag in Syrien – den einstigen Aufbruch, den blutigen Bürgerkrieg und die brutale Unterdrückung durch Staat und Milizen – schildert „Days in the Sun“ aus der Sicht der beiden Frauen Farah und Dunya. Beide lernen sich auf einer Demonstration vor dem Parlament kennen. Für Farah ist es die erste Demo, eine politische Erfahrung, die sie mit ihrem ersten Kuss vergleicht.

Freiheit und Selbstständigkeit sind die Motive, die beide Frauenfiguren gegen das Assad-Regime auf die Straße treiben und gegen die verknöcherten patriarchalischen Strukturen anrennen lässt. „Ich möchte spüren, das ich alleine leben kann“, erklärt Farah. Baian Aljeratly gibt diese naive und melancholische Rebellin, die in Dunya eine erfahrene Weggefährtin findet. Und die spielt Amal Omran mit Bravour als stoische Dissidentin, die Vorwürfe an die Opposition mit Verweisen auf die „Scheiß-Staatssicherheit“ Assads auskontert oder Fragen des Lebens und der Liebe mit wohlfeilen Sätzen kommentiert, dass sie zuweilen eher wie das Sprachrohr einer feministischen Kritik erscheint.

NRZ, Steffen Tost, 21. Oktober 2018

Die dritte Produktion des seit zwei Jahren am Theater an der Ruhr angesiedelten syrischen Theaterkollektive Ma`louba erzählt einen Emanzipationsprozess, ein Ringen mit Autoritäten wie dem Vater, dem Zöllner oder dem Lebenspartner, mit dem sie unverheiratet zusammen lebt, was für den Vater unfassbar ist. Er gehört zudem einer anderen Glaubensgemeinschaft an. Aber auch für Ahmed ist Gleichberechtigung eher Wunsch denn Wirklichkeit. Er kritisiert Fahrahs politisches Engagement und ihre erste Teilnahme an einer Demonstration in Damaskus, aber zuvor war er für die Frau, die sich um sein Wohlergehen sorgte, lange nicht erreichbar und meldete sich auch nicht, wie es ihm geht.

Am Ende wird die Entscheidung, sich wieder verstärkt der Bildhauerei zu widmen und diese auch in den Dienst ihres politischen Engagements zu stellen, sie noch zu einer deutlicheren Protestform führen. „Was können wir mit dem Schmerz tun, außer ihn einzumeißeln, ihm eine Form zu verleihen“, fragt sie. Verständnislos hält er ihr den Mund zu, was sie empört.

Karten

Team

CARINA BANGERT
Öffentlichkeitsarbeit
IMMANUEL BARTZ
Produktionsleitung
LYDIA BOHNE
Bühnen- und Kostümbild
WESSAM DARWEASH
Bühnen- und Kostümbild
FRANZ DUMCIUS
Ton
YOUSEF HASSAN
Regieassistenz & Übertitel
SANDRA HETZL
Übersetzung
GERT HIMMLER
Übersetzung
UWE MUSCHINSKI
Ton
WAEL KADOUR
Dramaturgie
SUZANA SCHÖNWALD
Maske
ANNA VYNOGRADOVA
Requisite